Home > Chronik > Die Zunft wandelt sich

Die Zunft wandelt sich

Zum Jubiläums-Sechseläuten 1951 begann sich mit der Anschaffung von 30 Kinderkostümen der Zunftauftritt zu wandeln. Wo anfänglich die optische Zusammengehörigkeit der Zunft lediglich durch die weinrotfarbenen Schiffchenmützen der sonst nur in Schwarz gekleideten Zünfter demonstriert wurde, schritt nun die Kostümierung langsam voran.

Die dramatischen Jahre
Nachdem er seinen ein Jahr vorher angekündigten Rücktritt widerrief, geriet 1953 der dabei schon seit zwanzig Jahren als Zunftmeister amtierende Dr. Attilo Bonomo in arge Bedrängnis. So verweigerte ihm aus einer bestehenden Vertrauenskrise heraus die gesamte Vorsteherschaft und der überwiegende Teil der Zünfter ihre Gefolgschaft. Zum Hauptbott zog er die Konsequenzen und machte damit den Weg frei für eine Neuwahl. Doch diese sorgte für weitere Turbulenzen. So wurde nicht der von der aus Zünftern und Vorstehern zusammengesetzten Wahlkommission vorgeschlagene Kandidat, sondern der am Hauptbott aus der Zünfterschaft vorgeschlagene Georg Kempf gewählt. Er war kein Unbekannter, bekleidete er doch zu jenem Zeitpunkt das Amt des Gemeinderatspräsidenten von Zürich und zählte schon seit Langem zu den prominenten und einflussreichen Zünftern.

Die aufstrebenden Jahre
Am Sechseläuten von 1954 blühte die Zunft auch optisch auf. Nicht nur mit der Kostümierung von 12 Zünftern, sondern auch mit der Anschaffung eines eigenen Wagens kamen Farbe und neue Inhalte in die Umzugsreihen. Nach vielen Jahren im Central wechselte die Zunft 1957 zudem ihr Lokal in den neu umgebauten Saal des Hotels Sternen in Oerlikon. Als Lokalität zum Abendessen und den Zunftbesuchen am Sechseläuten blieb das Central aber weiterhin zweites Zunftlokal. Im Jahr 1958 nach 25-jährigem Bestehen der Zunft wurden am Martinimahl die vierzig noch lebenden Gründer-Zünfter vom Zunftmeister Georg Kempf mit einem Zinnbecher geehrt und allesamt zu Ehrenveteranen ernannt.

Die Zunft wird farbenprächtig
Noch lange prägten am Sechseläuten schwarz angezogene Männer mit ihren roten Mützen den Auftritt der Zunft am Sechseläutenumzug. In den Jahren 1957-1963 fanden deshalb Bestrebungen zur Kostümierung der gesamten Zunft statt. Doch es war ein steiniger Weg. Das Motiv des Zinstages auf der Kyburg war zwar schnell gefunden. Doch bei der Finanzierung und der Bereitschaft zur Anschaffung eines eigenen Kostüms haperte es. Nach langem Ringen und aufwändigen Vorbereitungen präsentierten sich am Sechseläuten 1963 zwanzig kostümierte Zünfter der Öffentlichkeit. Wer weiss, vielleicht war es der vermehrte Applaus der Zuschauer oder die grössere Zahl der erhaltenen Blumensträusse: Auf jeden Fall verdoppelte sich innert dreier Jahre die Gruppe der kostümierten Zünfter. Mit dem Entscheid, dass jeder Neuzünfter kostümiert am Sechseläuten teilzunehmen hat, entstand nach und nach ein farbenprächtiges und historisch-einheitliches Bild.

Dieses Bild wurde mit der sukzessiven Vergrösserung der Kindergruppe abgerundet. Während 1962 Kostüme für lediglich rund 20 Knaben vorhanden waren, wurde der Fundus, unter anderem dank der Anschaffung von Mädchentrachten, bis 1980 auf gegen 70 Trachten ausgeweitet.

Bereits 1957 reifte die Idee zu einem neuen Wagen, welcher das Thema «Fest auf der Kyburg» aufnehmen sollte. Dank der Bereitschaft einer grossen Mehrheit der Zünfter, auf eine Rückzahlung der gezeichneten Anteilscheine zu verzichten, konnte der Kyburger Wagen schlussendlich realisiert werden. Er wurde am Sechseläuten 1968 erstmals stolz am Umzug mitgeführt.

Ein neuerlicher Lokalitätenwechsel
Am Sechseläuten 1980 wurde die Zünfterschaft informiert, dass das lieb gewonnene Central auf Ende Jahr abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden würde. So hiess es sich trennen vom prächtigen Jugendstilsaal und der in vielen Stunden des Zusammenseins lieb gewonnenen St. Niklaus-Stube als Stammlokal. Mit dem Jahreswechsel wurde das Hotel Sternen in Oerlikon zum zünftigen Mittelpunkt. Mit dem alten Börsensaal wurde ein zwar «etwas» überdimensioniertes, dafür aber zweckmässiges, zentral gelegenes Lokal für den Sechseläuten-Abend gefunden.

Eine Verjüngung findet statt
1968, im turbulenten Jahr der Zürcher Jugendunruhen, entstand die Idee zum Aufbau einer Jungzünftergruppe. Bereits zum Hauptbott 1971 wurden sechs Zünfterssöhne als erste Gesellen der Zunft St. Niklaus aufgenommen. Ein erster Schritt, um den der Kindergruppe entwachsenen Jugendlichen eine anhaltende Verbindung zur Zunft zu bieten, sie an den Zunftanlässen teilnehmen zu lassen und so einen späteren Entscheid für den Übertritt als Zünfter zu erleichtern.

Aus der Not eine Tugend gemacht
Anfang 2002 zeichnete sich ab, dass der Zunftwirt die Restauration im Hotel Sternen kurzfristig aufzugeben gedenke und dabei auch der Wirt der alten Börse nicht gewillt war, zum Beispiel am Sechseläuten das Mittag- und Abendessen zu übernehmen. So stand die Zunft plötzlich sprichwörtlich auf der Strasse. Mit Verhandlungsgeschick und einem Quäntchen Glück wurde die Chance genutzt, das Carlton als neues Zunftlokal zu sichern.
Seit 2002 finden die zünftigen Hauptanlässe und teilweise die Monatsbotts im Carlton statt. Der wöchentliche "Zunftstamm" wird jeweils freitags am runden Stammtisch im Restaurant Sternen Oerlikon abgehalten. Während dem Umbau vom März 2011 bis ca. Frühjahr 2013 hat die Zunft Gastrecht im Restaurant Metzgerhalle in Oerlikon erhalten.